Endlich ist es soweit: Der lang angekündigte und von vielen Analysten vorhergesagte Smartphone-Boom ist da. Der Absatz von Smartphones ist im ersten Quartal 2010 um über 60 % gestiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während der Gesamt-Mobilfunkmarkt lediglich ein Wachstum von 14 % verzeichnen konnte. Klar erkennbar: Bei der Neuanschaffung oder dem Austausch eines Altgerätes entscheiden sich immer mehr Nutzer für ein Smartphone, anstatt für ein einfaches „Feature-Phone“. Nachvollziebar, denn sie erhalten für nahezu den gleichen Preis wesentlich mehr Kommunikations- und Enterpisefunktionen.
Auch viele Unternehmen haben diesen (Wettbewerbs-)Vorteil bereits erkannt. Mitarbeiter sind produktiver und flexibler, wenn das Unternehmen mobile Technologien zur Verfügung stellt. In diesem Zusammenhang hat RIM mit dem Blackberry eine fast einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Wurden die PDAs (und später Smartphones) früher durch die Hintertür von den Nutzern privat „eingeschleust“, stellt heute oft das Unternehmen das Smartphone. Vor dem Hintergrund der Vielfalt dieser frühen PDAs war das auch aus IT Sicht dringend notwendig – wie sonst hätte sich ein solcher „Geräte-Zoo“ einigermaßen effizient verwalten lassen. Berater rieten diesen Unternehmen damals zu Recht, auf eine Gerätegruppe zu standardisieren, um mindestens die Minimalanforderungen an Sicherheit und Verwaltbarkeit auf diesen mobilen Geräten durchsetzen zu können.
Zeiten und Trends ändern sich
Nutzer in Unternehmen beginnen, sich zu emanzipieren – und wollen selbst entscheiden, welches Gerät sie als Device ihrer Wahl verwenden wollen, um damit mobil zu arbeiten. Ob persönliche Vorliebe für eine Marke etwa die mit dem Apfel oder aber verschiedene Nutzungsverhalten , also Internet-Surfer, E-Mail Junkie oder Dauertelefonierer: Mitarbeiter wollen sich nicht mehr über einen Kamm scheren lassen. Sie beanspruchen, selbst wählen zu können. Je höher Mitarbeiter in der Hierarchie eines Unternehmens stehen, desto schlechter sind die Karten der IT-Abteilung, sich gegen diese Forderungen zu wehren und auf den Unternehmensstandard zu pochen. Genauso, wie ursprünglich der Blackberry von den Vorstandsetagen den IT-Abteilungen aufgedrückt wurde, kommen heute die iPhones in die Unternehmen. Sich dagegen zu wehren, wäre wohl zu kurz gesprungen – und schiebt die Herausforderung im Zweifel nur nach hinten. Wer das Thema proaktiv angehen will, rüstet sich schon heute für die Zeit, in der die Nutzer mündig werden und selbst nach ihrem Bedarf und Geschmack die mobilen Geräte auswählen.
Allerdings sind die im Markt befindlichen mobilen Betriebssysteme sehr unterschiedlich. Daher ist es wichtig, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen, welcheMöglichkeiten die einzelnen Operating Systems (OS) bieten.
Beginnen wir mit einem der „ältesten“ Systeme auf dem Markt: Windows Mobile von Microsoft. Einst als der „Bezwinger des PalmOS“ gefeiert, muss Microsoft heute herbe Rückschläge hinnehmen. Die Marktanteile schmelzen dahin. Windows Mobile hält heute nur ca. 6 % des gesamten Smartphone-Markts. Trotzdem befindet sich noch eine nicht unerhebliche Anzahl an Geräten in Unternehmen, insbesondere dann, wenn eine spezielle Firmenapplikation darauf läuft. Grundsätzlich bietet Windows Mobile auch gute Voraussetzungen für Unternehmen. Das Betriebssystem ist weitestgehend offen und Applikationen können auf Betriebssystemfunktionen zugreifen. Mit einem Dateisystem und einer Multi-Tasking-Fähigkeit ist es einem Laptop bereits sehr ähnlich. Ab der Version 6.1 befindet sich eine Verschlüsselung der Daten bereits im Betriebssystem. Einstellungen wie die des E-Mail Accounts, des VPN, APN, GPRS etc. lassen sich auch aus der Ferne und over the air (OTA) vornehmen – mit einer geeigneten Mobile Device Management (MDM) Software, wie sie Firmen wie ubitexx oder Sybase zur Verfügung stellen. Grundsätzlich ist Windows Mobile erstmal ein sehr offenes OS, bei dem der Nutzer Zugriff auf alle Einstellungen und Systemdienste hat. Anders als beim Windows Desktop/Laptop gibt es auf Windows Mobile aber keine Benutzerverwaltung, die es einer IT Abteilung ermöglichen würde, nur dem Administrator vollen Zugriff zu geben, für den Nutzer aber bestimmte Einstellungen und/oder Inhalte zu sperren. Auch hier lassen sich solche Benutzerrechte nur durch Drittsoftware realisieren – die Vorteile liegen klar auf der Hand: mehr Sicherheit und geringerer Support-Aufwand. Geht das Gerät verloren, ist eine „remote wipe“ Funktion wichtig, um die gesamten Daten des Gerätes zu löschen – das Gerät also in den Auslieferungszustand zurückzusetzen. Diese Funktion ist einerseits in Exchange und ActiveSync enthalten – aber auch in vielen MDM-Produkten. Software kann auf Windows-Mobile-Geräte mit solchen MDM-Lösungen via OTA verteilt und ohne Nutzerinteraktion installiert werden. Das selbe gilt für Updates der Anwendungen auf den Devices.
Ebenfalls ein „alter Hase“ in den Reihen der mobilen Betriebssysteme ist Symbian, das insbesondere von Nokia auf seinen Smartphones eingesetzt wird. Auf den High-End Business-Geräten kommt die „Series 60“ Version zur Anwendung. Mit dem „Mail for Exchange“ Client auf den Geräten lässt sich ein Exchange Server anbinden und es können E-Mails, Kalender und Kontakte synchronisiert bzw. per Push empfangen werden. Symbian gilt im Reigen der mobilen OS als nicht sehr benutzerfreundlich und etwas zurückgeblieben. In der Tat ist der Funktionsumfang eingeschränkt, vor allem die Anzahl der Applikationen von Drittanbietern beschränkt sich auf ein Minimum. Einer der Gründe hierfür ist die oftmals fehlende Cross-Kompatibilität zwischen verschiedenenen Gerätemodellen mit gleichem OS. Fehlende Cross-Kompatibilität kann sich im Unternehmensumfeld katastrophal auswirken. Auch bei Symbian können Einstellungen auf dem Gerät OTA gesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Fernkonfiguration des Mail for Exchange Clients aber auch die APN oder WLAN Settings. Immer häufiger binden Unternehmen Symbian-Geräte auch über einen SIP-Client per Voice over IP (VoIP) an ihre Telefonanlage an, um das Mobiltelefon als quasi-Nebenstelle einzubinden. Auch hier kann mit einer passenden MDM-Software der Client remote eingestellt werden. Ebenso lässt sich Software auch bei Symbian OTA verteilen und auf den Geräten installieren. Mit einer entsprechenden Zusatzsoftware können auch sicherheitsrelevante Bereiche vor dem Zugriff des Nutzers geschützt werden. Die große (offene) Frage bei Symbian ist, wie sich die neue (Open Source) Version des Betriebssystems im Markt durchsetzen wird – und vor allem, ob Nokia weiter auf dieses OS setzen wird.
Der große „Star“ im Markt der Betriebssysteme ist momentan sicher das Apple iPhone OS. Obwohl das Gerät zu Beginn ausschließlich für Konsumenten geeignet war und sich beispielsweise nicht an einen Exchange Server andocken ließ, hat es diese „Kinderkrankheiten“ überwunden. Inzwischen gibt es nur noch wenig Unternehmen, in denen nicht mindestens ein iPhone im Einsatz ist – und wenn es der CEO ist, der es nutzt. Genau auf diesem Weg kam das iPhone ursprünglich in die Unternehmen. Die einfache Handhabung und intuitive Bedienbarkeit hat dem iPhone vor allem unter den Senior Executives zahlreiche Fans beschert. Und ebenso wie der Blackberry einige Jahre zuvor tröpfeln diese Geräte dann aus den Vorstandsetagen in die Stockwerke der „normalen Mitarbeiter“ und erfreuen sich nun immer größerer Beliebtheit. Auch Apple hat wohl jetzt langsam die Chance erkannt, das iPhone als Enterprise-Device im Markt zu positionieren und damit noch mehr Geräte zu verkaufen. Mit jeder OS Version kamen weitere Enterprise Funktionen hinzu. Vor allem die Ankündigung der Version 4.0 ist gespickt mit Neuerungen, die das Herz der Firmenkunden höher schlagen lässt. So kann das iPhone nun endlich wie alle anderen Geräte auch wirklich per Mobilfunk (OTA) verwaltet werden. Ein von Apple implementierter Hintergrundprozess macht das möglich. Über diesen Weg lassen sich nun nicht mehr nur initial sondern auch während dem Betrieb Einstellungen auf dem iPhone setzen und Ändern. Dazu gehörten beispielsweise die WLAN-Einstellungen, APN Settings, natürlich die Exchange und E-Mail Einstellungen sowie ein Set an Einschränkungen und Security Policies, die Apple für sinnvoll hält. Auch Applikationen von Drittanbietern können nur bedingt für mehr Sicherheit sorgen – einfach, weil das iPhone nicht zu den „offenen“ Betriebssystemen zählt. Remote Wipe ist wie bei Windows Mobile und Symbian auch über Exchange und ActiveSync möglich. Mit der Version 4 lässt sich nun auch Software endlich OTA verteilen. Unternehmen sind nicht länger an die ad-hoc Distribution über iTunes und Kabelverbindung zum Computer gebunden. Alles in allem gehört das iPhone wohl zu den wichtigsten OS der nahen Zukunft. Wenn Apple weiterhin den Enterprise-Markt neben dem Consumer-Markt im Auge behält, wird sich das iPhone noch stärker in Firmen verbreiten.
Ein weiterer „Newcomer“ mit großen Chancen auf weite Verbreitung ist das Google OS Android. Auch hier war der Fokus zunächst rein auf Consumer gerichtet – das OS wird wohl einen ähnlichen Weg wie Apple zurücklegen, auf dem Weg zur vollen Enterprise-Grade-Funktionalität. Die Tatsache, dass Android ein offenes OS ist, gibt ihm eine Existensberechtigung neben dem iPhone, das von Apple ja sehr geschlossen gehalten wird. Insbesondere Hardware Anbieter aber auch Service Provider (v.a. die Mobilfunkanbieter) finden Gefallen an Android – gibt es ihnen doch mehr Möglichkeiten, eigenen Umsatz zu generieren, ohne den Hersteller immer beteiligen zu müssen. Android lässt sich inzwischen natürlich auch nativ an Exchange Server anschließen und bietet somit die PIM (Personal Information Management) Synchronisationsmöglichkeiten von E-Mail, Kalender und Kontakten. Durch die Java Clients auf dem Endgerät lässt sich nicht immer DER tiefe Zugriff auf OS Funktionen erreichen, wie z.B. bei Symbian oder Windows Mobile – trotzdem bietet Android viel Spielraum für remote Konfiguration. Mit geeigneter Mobile-Device-Management-Software lässt sich Software OTA verteilen und installieren. In den nächsten Wochen und Monaten werden zahlreiche Android-Geräte in allen Preisklassen auf den Markt kommen,. Insofern hat auch Android gute Chancen, durch preislich attraktive Smartphone Angebote den Markt der „Feature Phones“ weiter zu schmälern.
Blackberry war in den letzten Jahren unbestritten am erfolgreichsten im Firmenkunden-Umfeld. Kaum ein großes Unternehmen, das nicht einen Blackberry Enterprise Server (BES) selbst betreibt oder betreiben lässt. Mit der Hardware, dem Endgerät, der Software für den Server und den Service über das im Netz befindliche NOC (Network Operation Center) bietet R.I.M. – die Firma hinter Blackberry – eine Gesamtlösung aus einer Hand, die speziell auf den Unternehmensbereich zugeschnitten ist. Dadurch sind sämtliche Enterprise-Funktionen wie Verschlüsselung, Sperren von bestimmten Einstellungen und Funktionen und das Management aus der Ferne bereits implementiert. RIM lässt hier (fast) keine Wünsche offen und bietet eine runde Enterprise-Lösung. Wo andere Hersteller wie Apple nun RIM das Wasser abgraben ist im Bereich Bedienung der Geräte und verfügbare Applikationen. Da Firmennutzer ein Smartphone immer AUCH privat einsetzen, passt ein REINES Enterprise-Gerät vielen Nutzern nicht mehr. Häufig trifft man daher auf Blackberry-Nutzer, die zusätzlich noch ein (privates) iPhone oder Android-Gerät besitzen und sich diese beiden vereint als ein Gerät wünschen. Es wird sich zeigen, ob RIM i die Nase weiterhin vorn haben wird oder ob der Hersteller sich links überholen lässt. Aufgrund der im Markt befindlichen Anzahl an Blackberries führt für Anbieter von Enterprise-Lösungen momentan kein Weg an diesem OS vorbei.
iPhone, Android, Blackberry, Windows Mobile oder Symbian. Sicher ist, dass wir in den nächsten vier Jahren einen Fünfkampf um die Dominanz des Enterprise-Smartphone-Markts zwischen diesen Betriebssystemen erwarten dürfen. . Wer diesen Kampf gewinnt oder welches mobile Betriebssystem auf der Strecke bleibt, entscheiden letztlich die emanzipierten Nutzer, die sich aus dem Diktat der IT-Abteilungen befreit haben. Daher sind Unternehmen gut beraten, wenn sie ihre zentrale Managementlösungen danach auswählen, dass alle diese Systeme optimal unterstützt werden. So sind Unternehmen für das Mobile Business zukunftssicher gerüstet.